Rückblick
Am Anfang war der Reichsfreiheitsbrief. Mehrfach wurde in der Vergangenheit ganz zu Recht auf Lübeck und die Lübecker Motivation zu diesem Reichsfreiheitsbrief geschaut. Doch wer oder was motivierte umgekehrt den Kaiser zu seinem Handeln? Warum und wie passte der Wunsch aus Lübeck 1226 in seine Politik, die doch sonst schwerpunktmäßig auf Italien und das Heilige Land ausgerichtet war?
Eine Veranstaltung des VLGA im Rahmen der Vortragsreihe zu 800 Jahren Reichsfreiheitsbrief „Ziemlich viel Freiheit“ - Stadt und Städtische Autonomie 1226-2026 (in Kooperation mit: Archiv der Hansestadt Lübeck, Europäisches Hansemuseum, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Die Gemeinnützige).
Als genuin urbanes Siedlungszentrum steht Lübeck in einer jahrhundertelangen Tradition der Ziegelproduktion. Neben den bedeutenden städtischen und kirchlichen Ziegelhöfen trugen später auch im Umland gelegene Ziegeleien der adeligen Güter und der in Lübeck ansässigen Stiftungen zur Produktion von Mauersteinen und Dachpfannen bei. Im Gefolge von Industrialisierung, Urbanisierung und Verkehrsentwicklung, insbesondere dem Ausbau der Hafenanlagen, erfuhr die Ziegelproduktion seit der Mitte des 19. Jahrhunderts einen ungeheuren Aufschwung, der kurz vor dem Ersten Weltkrieg seinen Höhepunkt erreichte.
Der Vortrag geht unter anderem auf Standorte, Produktionsbedingungen und Verfahren der Ziegeleien in den Vorstädten und an den Rändern der Hansestadt ein. Auch die berufliche und soziale Situation der Ziegler wird angesprochen.
Wer verbirgt sich im Bild? Das unsichtbare Detail in Albert Aereboes Meisterwerk
„Nun reibt doch endlich mal Eure Augen!", forderte Albert Aereboe (1889-1970). In diesem Vortrag soll also mit geschärftem Blick und neuer Aufmerksamkeit genauer hingesehen werden. Das Hauptwerk des Lübecker Malers entstand in den 1920er Jahren und zählt zum sogenannten Magischen Realismus, einer Teilströmung der Neuen Sachlichkeit. Ein Schlüsselwerk ist dabei das große, 1927 entstandene Rundbild, das heute den Titel 'Der Einsiedler' trägt. In diesem Gemälde gibt Aereboe viele Rätsel auf, die es zu entschlüsseln gilt. Ein entscheidendes Detail blieb dabei bisher unbemerkt.
Bei diesem Vortrag handelt es sich um eine Kooperationsveranstaltung des VLGA mit dem Museum Behnhaus/Drägerhaus.
In diesem Jahr sind die Gebäude der „BLM“ und der benachbarten Stahlbaufirma Hannemann am Glashüttenweg abgebrochen worden. Karabiner, Maschinengewehre und U-Boot-Teile wurden in den Werken am Glashüttenweg produziert. Der Vortrag zeichnet die Baugeschichte und Nutzung der Gebäude vor und nach 1945 nach.
Das Lukasbruderretabel von 1484 – heute im St. Annen-Museum, ursprünglich in St. Katharinen – besticht durch die Einzigartigkeit seines Bildprogramms und die Besonderheit des Verhältnisses zwischen Auftraggebern und ausführenden Handwerkern. Der Vortrag nähert sich dem Altaraufsatz sowohl kultur- als auch kunsthistorisch und ermöglicht auf diese Weise einen Einblick in das berufliche Selbstverständnis der Lübecker Maler des ausgehenden 15. Jahrhunderts und der ihnen folgenden Generationen. Es werden Ergebnisse aus der Forschung zur Handwerkskultur der Hansestadt mit Daten zur Lübecker Franziskanerkirche und Beobachtungen an den Tafelbildern sowie Skulpturen des Altaraufsatzes zusammengebracht.
Es handelt sich um eine Kooperationsveranstaltung des VLGA mit dem St. Annen-Museum.
Im Anschluss an den Vortrag können wir das Original im Museum besichtigen.
Am besonderen Ort, mitten in der Altstadt, zeigt der VLGA in Kooperation mit dem Archiv der Hansestadt Lübeck besondere Filmaufnahmen aus früheren Zeiten unserer Stadt.
Das Medium Film hat auch die Lübecker schon früh begeistert. Seit den 1920er Jahren hielten viele Bürger und Bürgerinnen ihre Stadt und ihr Leben auf Schmalfilm fest. Zunächst in Schwarz-Weiß, später auch in Farbe, teils mit großem Engagement. Ein Teil dieser Amateurfilme war zur öffentlichen Vorführung bestimmt, andere waren nur für den privaten Gebrauch gedacht. So entstanden filmische Stadtporträts und Dokumente gelebten Familiensinns: Lübeck in Friedenszeiten, im Krieg und beim Wiederaufbau, Travemünde, die Innenstadt, die Vororte, das Schützenfest und Ausflugsziele in der näheren und weiteren Umgebung. Dazwischen immer wieder Familie und vor allem natürlich die Kinder, Freunde und Bekannte – nichts und niemand war vor den Kameras der Filmliebhaber:innen sicher.
Der Lübecker Filmemacher und Filmarchivar C. Cay Wesnigk präsentiert die Fundstücke aus seinem Archiv und ordnet das Gezeigte ein. Herr Dr. Kuhn moderiert den Abend.
Um Anmeldung in der Geschäftsstelle des VLGA wird gebeten!
Das Wissen über Sturmfluten an der Ostseeküste als historische Naturkatastrophen ist bisher sehr begrenzt. Für die Jahre 1497 sowie 1625 sind jedoch extreme Flutereignisse mit einer guten Quellenlage überliefert, die Aufschluss über zu beklagende Schäden und Todesopfer gibt.
In dem Vortrag wird den Fragen nachgegangen, wie diese Naturereignisse wahrgenommen, gedeutet und anschließend erzählt wurden. Lübeck als eine der betroffenen Küstenstädte spielte eine wichtige Rolle bei der Dokumentation der Schäden, die durch diese Sturmfluten entstanden.
In Lübeck lebten zwischen 1642 und 1718 vier Generationen der Familie Gloxin. Ihre Familiengeschichte ist gleichermaßen von dem sozialen Aufstieg des Syndicus und Bürgermeisters David Gloxin als auch von der Verarmung des Johann Heinrich Gloxin geprägt. Letztgenannter musste schmerzlich erfahren, dass sozialer Aufstieg keine Einbahnstraße ist und in jeder Generation auch sozialen und wirtschaftlichen Abstieg mit sich bringen kann. Der Vortrag untersucht, welche Methoden die Familie angewandt hat, um für ihre Mitglieder Wohlstand und Ansehen, politische Ämter und Memoria zu sichern und zeigt auf, welche Faktoren politisch einflussreiche Lübecker Bürger verarmen ließen.
Speiseeis ist seit dem späten 18. Jahrhundert im öffentlichen wie auch im privaten Raum Teil der Lübecker Esskultur. Der Referent wird das Thema in generelle Entwicklungen des Eiskonsums einbetten und es anhand einschlägiger archivischer Quellen – private Aufzeichnungen, Kochbücher, Speisekarten, amtliche Unterlagen – speziell für Lübeck entfalten.
Dabei werden wir erleben, wie sich ein ursprünglich ausgesprochenes Luxusgut im 19. und 20. Jahrhundert allmählich zu einer in der Mitte der Gesellschaft verankerten alltäglichen Konsumware wandelte.
Auf gesonderte Einladung.
Im Zuge einer Trennentwässerungsmaßnahme von März 2023 bis Januar 2024 am Museum für Natur und Umwelt ergab sich die Notwendigkeit einer archäologischen Untersuchung. Die Tiefbauarbeiten zogen sich durch den Bereich des alten Museums am Dom und durch den Hof des ehemaligen Domklosters – ein Gebiet, das bisher kaum Gegenstand der archäologischen Forschung war. In diesem Vortrag sollen die ersten Ergebnisse der Grabung präsentiert werden, die einen spannenden Einblick in die Baugeschichte und in die Nutzung des Areals geben.
Millionen Pilger waren im Mittelalter unterwegs. Bekannt sind vor allem die Funde vielfältigster Pilgerzeichen aus Rom, Santiago de Compostela, Aachen, Einsiedeln, Wilsnack und von anderen Wallfahrtsorten. Neben archäologischem Material und Mirakelberichten liefern aber gerade auch die in diesem Zusammenhang noch wenig untersuchten Testamente wichtige Erkenntnisse für die Erforschung des Wallfahrtswesens in den norddeutschen Hansestädten.
Anhand von Testamenten lassen sich zeitliche Veränderungen des Wallfahrtsverhaltens und im Heiligenkult sowie in der Schwerpunktverlagerung der Heilserwartung erfassen. Zudem können die wichtigsten Pilgerrouten nachgezeichnet, Nebenfunktionen von Wallfahrten erfasst, die Kosten von Pilgerfahrten ermittelt oder soziale Einordnungen wallfahrender Testatoren vorgenommen werden.
Im Zentrum der Betrachtung stehen Stralsunder und Lübecker Bürgertestamente aus dem 14. und 15. Jahrhundert.
Anmeldung zu dieser Kooperationsveranstaltung mit dem Europäischen Hansesmuseum bitte bei der Geschäftstelle des VLGA.
